|
Geschichte der Jungen Union |
Jugendliche und Frauen fanden bei der Gründung der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) in Berlin 1945 besondere Berücksichtigung. Im Gründungsaufruf hieß es: »Wir rufen die Jugend, die, durch den Krieg und Zusammenbruch schwer getroffen, vor allem zur Gestaltung der Zukunft mitverpflichtet ist.« Schon bald nach ihrer Gründung ergänzten Unionsverbände in ganz Deutschland ihre Satzungen dahingehend, daß jedem Vorstand mindestens je ein Vertreter der Frauen und der Jugend anzugehören hatte. Bei Aufrufen und Erklärungen der Partei wurden beide Gruppen hervorgehoben erwähnt. So wurde beispielsweise der Aufruf der Union Deutschlands zu den Wahlen in der Sowjetischen Besatzungszone vom 14. Juli 1946 ausdrücklich auch »für die Jugend der Union« von sieben Vertretern der Parteijugend unterschrieben. Alsbald gründeten die jüngeren Mitglieder der christlich-demokratischen Gruppierungen die »Junge Union«. Zuerst fanden sich vor allem jüngere Kriegsteilnehmer in Universitätsstädten zu Arbeitskreisen zusammen. Ihr Ziel war es, einen »wahrhaft demokratischen Staat« (Gründungsaufruf) aufzubauen und eine erneute Zwangsherrschaft zu verhindern. Die jungen CDUler wollten von Anfang an kein Anhängsel der Gesamtpartei sein. Die eigenständige, unionsnahe Jugendorganisation, »Junge Union Deutschlands« (JU), gründete sich bei ihrem ersten Deutschlandtreffen vom 19. bis 21. Januar 1947 in Königsstein/Taunus. Allerdings waren nur zwei Mitglieder der Ost-CDU an der Bildung des Bundesverbandes beteiligt; die sowjetische Militäradministration hatte eine Teilnahme der östlichen Landesverbände verboten. Ein halbes Jahr später, auf dem zweiten Treffen, wurden in Berlin - und diesmal unter Beteiligung der Ostverbände - die Leitsätze der Jungen Union beschlossen, die in ihren Grundzügen auch heute noch gelten. Aus dieser interkonfessionellen, von den Ereignissen des zweiten Weltkrieges geprägten Sammlungsbewegung christlich orientierter junger Menschen entstand mit rund 150.000 Mitgliedern die jetzt größte politische Jugendorganisation Europas. Die politischen Streitpunkte in der Geschichte der Bundesrepublik spiegeln sich auch in den Themen der Jungen Union wider. Oftmals war es zuerst die JU, die gesellschaftliche Mängel und Veränderungen aufgriff und sie in die Unionsparteien einbrachte. Seit ihrem Deutschlandtag 1956 in Travemünde ist beispielsweise das ständige Bemühen um eine zeitgemäße Programmatik und Mitgliederbeteiligung der Unionsparteien eines der ständigen Themen der JU. In Travemünde hieß es damals, die Junge Union wolle »eine Parteireform, die eine echte innerparteiliche Demokratie von oben nach unten gewährleiste.« Veränderungen in der Bundesrepublik und in der JU Ende der sechziger Jahre prägte die Junge Union die Auseinandersetzung mit dem Neomarxismus und der APO. Aber auch inhaltlich entwickelt sich die JU: Unter dem damaligen Vorsitzenden und späteren Europapolitiker Egon Klepsch wurden Europapolitik und Entwicklungspolitik zu Schwerpunkten der programmatischen Arbeit - eine Antwort auf die sich verändernde internationale Politik. Der Einsatz für Menschenrechte überall in der Welt und das Prinzip der Subsidiarität prägen die Arbeit der JU bis in die heutige Zeit. 1971 veranstaltete die Junge Union als erste politische Organisation in der Bundesrepublik einen Sonderkongreß zum Thema Umwelt, der die Geburtsstunde der Umweltpolitik der Union markiert. Der damalige umweltpolitische Sprecher Heinz Riesenhuber forderte von der Bundesregierung, »die Wirksamkeit des erfolgreichen Lenkungsmechanismus der sozialen Marktwirtschaft auch im Umweltbereich zu gewährleisten.« 1972/73 wurde bundesweit die Schüler Union (SU) gegründet, um Schüler für eine spätere Mitarbeit in der JU zu interessieren. In der gleichen Zeit gab sich die JU als erste Unionsvereinigung ein eigenes, reformorientiertes Grundsatzprogramm. Der 24jährige Student Matthias Wissmann wurde JU-Bundesvorsitzender und führte die Junge Union bis 1983. In seiner Amtszeit etablierte sich die JU endgültig als programmatische und politische Reformkraft in der Union. Die Mitgliederstatistik weist 1982/83, auch aufgrund des damaligen hohen Bevölkerungsanteils von Jugendlichen unter 35 Jahren, stolze 263 000 Mitglieder aus. Mit der Übernahme der Regierung 1982 in Bonn durch CDU/ CSU änderte sich auch der Ansatz der politischen Arbeit der Jungen Union. Nach langer Zeit bestand wieder die Möglichkeit, die eingeforderten Veränderungen über die Mutterparteien in praktische Politik umzusetzen. Gleichzeitig versteht sich die Junge Union auch als integrierende und vermittelnde Kraft zwischen den Jugendlichen und der Politik. Die politische Eigenständigkeit der JU sorgte deshalb bis heute, selbst nach der Regierungsübernahme der SPD für eine kritische und engagierte Begleitung der Arbeit im Bundestag Die wiedervereinigte Junge Union 1948 stellte die Junge Union in der sowjetischen Zone ihre Arbeit aufgrund der massiven Verfolgung und Gängelung ihrer Mitglieder ein. Erst am Vorabend des Mauerfalls 1989 gründete sich mit der Christlich-Demokratischen Jugend (CDJ) wieder eine freie christlich-demokratisch orientierte Gruppe junger Menschen in der DDR. Schon vor der Vereinigung der beiden deutschen Staaten schloß sich die CDJ auf dem Deutschlandtag 1990 in Leipzig der Jungen Union Deutschlands an. Der 1989 gewählte Bundesvorsitzende der JU, Hermann Gröhe, führte die beiden Verbände zusammen und setzte sich mit der Jungen Union für den Aufbau freier Träger und demokratischer Jugendgruppen in den jungen Bundesländern ein. Viele Mitglieder der JU arbeiteten in dieser frühen Phase der Deutschen Einheit haupt- und ehrenamtlich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Seit der Mitte der neunziger Jahre ist die JU in vielen Gemeinderäten und Kreistagen, Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europaparlament vertreten. Nach der Bildung der »Jungen Gruppe« in der ersten freigewählten Volkskammer der DDR haben viele junge CDU/CSU-Abgeordnete diese Idee aufgegriffen. Im Deutschen Bundestag sind aktuell 26 Abgeordnete zur »Jungen Gruppe« zusammengeschlossen; nach deutschem Vorbild sind auch die jungen Mitglieder in der EVP-Fraktion des Europäischen Parlamentes organisiert. Der amtierende Bundesvorsitzende der Jungen Union, Phillip Mißfelder, hat sich zum Ziel gesetzt, der größten deutschen politischen Jugendorganisation einen erfolgreichen Start ins neue Jahrtausend zu ermöglichen. In einer sich zukünftig stark verändernden und segmentierenden Informationsgesellschaft wird sich auch die Aufgabe ehrenamtlich arbeitender Verbände verändern müssen. Gemeinsam mit den Unionsparteien will die Junge Union auf diese Entwicklung rechtzeitig reagieren und Eckpunkte für eine erfolgreiche inhaltliche und organisatorische Arbeit entwickeln.
|